
Wie ich schon sagte, Norwich ist nur einige Stunden von mir zu Hause entfernt, und wir sind so gegen 17.00 Uhr dort angekommen. "Wir", das waren eine Engländerin, eine Deutsch-Französin und eine in England lebende Französin (ich), Euch zu Diensten! Man muß es ja zugeben, in Norwich während der Berufsverkehrszeit anzukommen, war keine so gute Idee - um so mehr, da die Stadt ein schrecklich kompliziertes Einbahnstraßensystem hat. Es ist uns dann aber doch gelungen, die anderen Fans und das dem Buchladen angeschlossene Cafe Kultureshock rechtzeitig zu finden, in dem Mr. Beltran auftreten sollte (für eine geringe Gage, wie mir die Veranstalter versicherten, die sich über die Möglichkeit, andere Voyager-Darsteller zu engagieren, informiert hatten und feststellen mußten, daß deren Gagen ihren Geldbeutel übersteigen). Robert sollte also hier auftreten, so war es vorgesehen; bei unserer Ankunft wurde uns aber mitgeteilt, daß sich zu viele Leute für das Cafe angemeldet hätten und daher ein Saal im 1. Stock eines benachbarten Pubs gemietet worden sei.
Ein Bier im Cafe, ein anderes im Pub, die Stimmung wurde immer besser, bis uns angekündigt wurde, daß wir "raufgehen" könnten. Wir haben uns dann in die Schlange auf der Treppe gestellt (das ist eine lokale Tradition) und zu der Uhrzeit, zu der die Veranstaltung anfangen sollte, fanden wir uns von Angesicht zu Angesicht mit dem Ehrengast wieder (und ich dachte doch, wir würden nur wegen der Eintrittskarten anstehen!), der zuallererst Autogramme gab - eine Programmänderung, die dadurch bedingt war, daß er sofort nach der Veranstaltung seinen Zug nach London nehmen mußte. (Für alle die dieses schöne Land erst noch entdecken wollen: Die Züge des perfiden Albion fahren selten, sind langsam und haben meistens Verspätung, wenn sie nicht ganz ausfallen, und man muß mit allem rechnen, wenn man damit nach Hause oder zurück zum Hilton fahren will.)
Für uns drei war es die erste Begegnung mit Robert Beltran und die erste Star-Trek-Veranstaltung überhaupt für die zwei anderen (ich hatte schon das Konzert von Tim Russ vor einigen Monaten besucht; Bericht folgt auf dieser Webseite). Man darf nicht alles glauben, was so über ihn erzählt wird; er kam weder zu spät, noch errötete er ein einziges Mal!. In Wirklichkeit war er recht cool während der Autogrammsession, sympathisch, und nahm sich Zeit, mit den Fans, die er kannte, zu diskutieren (er hat ein wahnsinnig gutes Erinnerungsvermögen für Personen - und für seine Texte?) und auch diejenigen, die das erste Mal dabei waren, kennenzulernen.
Dann folgte die Frage-Antwort-Stunde.
Erst schob er den Tisch beiseite, der ihn von seinem Publikum trennte, dann machte er
Werbung für den nächsten Gast von Kultureshock, Andrew Robinson (das heißt er knäuelte
die Einladungen zusammen und bewarf uns damit, und das alles mit ganz ernstem
Gesichtausdruck). Anschließend setzte er sich direkt vor uns, fragte uns nach unserem
Befinden, und nach den üblichen höflichen Einführungssätzen erzählte er uns ein wenig
von seinen Ferien in Europa (die dem Ende zugingen). Seit einigen Jahren schon verbringt
er gerne einen Teil seines Jahresurlaubs regelmäßig in London und Paris. Dieses Jahr
hatte er die Gelegenheit, ein Shakespeare-Stück mit Ralph Fiennes (der in dem Stück
spielte und nicht Robert begleitete) zu sehen, bekam aber leider keine Karten mehr für
die ausverkaufte Comédie Française in Paris. Die Fans befragten ihn natürlich zu der
Richtung, die die Serie Voyager in den letzten Jahren genommen hat, und man muß zugeben,
daß er nicht viel Positives dazu zu sagen hatte. Zusammengefaßt kann man sagen, daß er
die Nase voll hat (höflich ausgedrückt) von den Borg und daß er und auch andere seiner
Kollegen, die nicht viel zu tun haben, sich am Set entsetzlich langweilen, daß er als
Schauspieler kein Interesse am Drehbuchschreiben oder Regieführen hat, dies kompetenteren
Leute überläßt, aber von diesen wirklich mehr erwartet und daß er das Gefühl hat,
daß Chakotay seinen nächsten Shuttlecrash vielleicht nicht überlebt (was mehr als
wahrscheinlich ist, wenn er weiterhin in der Öffentlichkeit so redet!) und daß er
beginnt, sich genau dies zu wünschen, um sich anderen Dingen zuwenden zu können. Also
was mich betrifft, ich habe nicht einmal die erste Hälfte der 5. Staffel von Voyager
gesehen, und was ich gesehen habe, hat mir eigentlich gut gefallen. So bin ich nicht so
recht in der Lage, die Richtigkeit von Roberts Aussagen zu beurteilen, aber die meisten
Zuhörer schienen der gleichen Meinung zu sein. Es gibt ja heftigste Reaktionen auf
mehreren Star Trek Sites, aber ich denke, man muß schon dabei gewesen sein, um zu
verstehen, daß Mr. Beltran - ob er sich dessen bewußt ist oder nicht - doch zum Teil das
Temperament eines heißblütigen Südländers hat, und sein Stil, sich auszudrücken in
Marseille besser ankäme ("diese Autoren sind doch völlig bekloppt"), als in
der angelsächsischen Welt, in der Beschönigung und höfliche Andeutungen die Regel sind
und alles sehr ernst genommen wird. Ich hoffe nur, daß man ihn nicht vor Gericht stellen
wird! Auch das ist eine lokale Tradition dort, wo ich wohne...Anscheinend hat man ihm
sogar vorgeworfen, schlecht über seine Kollogen zu reden? Also, das ist wirklich nur
üble Nachrede, er hat mit sehr viel Respekt in der Stimme gesprochen und, hm...ist das
der richtige Augenblick, um von den Imitationen zu sprechen?
Also dann, warum nicht? Die Imitationen von Bob Picardo (dem Holodoc von Voyager) haben in Norwich in der zweiten Hälfte der Session angefangen und dann das ganze Wochenende nicht mehr aufgehört. Vielleicht habt Ihr sie ja schon gesehen? Wirklich unbezahlbar! Und ich lege meine Worte auf die Waagschale. Die Jungs von Voyager sind ständig dabei, sich gegenseitig nachzuäffen, und dies geschieht alles in freundschaftlicher Atmosphäre, und die von Robert lohnen alleine schon das Kommen. Wie schade, daß wir sie Euch nicht zeigen können - unsere Fotos sind leider nichts geworden - oder Euch die Reaktionen des Publikums hören lassen können (eine Audioaufzeichnung wird wahrscheinlich existieren, ich habe allerdings keine)...seine Mimik ist wirklich perfekt, wenn auch anscheinend Garrett Wang die bessere Stimmimitation macht - vielleicht bekommen wir sie ja eines Tages mal als Duo zu sehen. Er hat natürlich beim Doc nicht halt gemacht und hat uns, angefeuert vom Publikum, eine Imitation von Kate Mulgrew (das Hauptopfer seiner Mitkollegen beim Imitieren) und sogar von Captain Kirk geliefert, wenn die Enterprise von schrecklichen Feinden angegriffen wird (es stimmt, daß Kirk niemals vergißt, sein Hemd zurechtzuzupfen und sich kokett mit der Hand die Haare zu richten, bevor er sich den Schadensmeldungen zuwendet...)
Irgendwann hat einer der
Organisatoren bemerkt, daß Janeways Frisur sich niemals bewegt und zerzaust, nicht einmal
während eines Angriffes, eines Kampfes usw...Er hat Kate Mulgrews Telfeonnummer in sein
Handy getippt und es dann Robert gereicht, der sie dazu befragen sollte. Einer von Kates
Söhnen hat sich gemeldet und es kam zu folgender Konversation:
"Hallo, mein Junge, hier ist Robert ...ja...kannst Du bitte Deine Mutter rufen? Robert Beltran ... ja...ich spiele auch in Voyager... aber ja, wenn ich es Dir doch sage... ich bin der Typ, der auf der Brücke neben...Wie? Sie ist betrunken? Ach...hallo Kate...ja...nein...bitte stell Dein Glas ab! [zum Publikum] sie ist dabei, mit Seven zu schimpfen..." usw.
Also, zwei Sekunden lang habe ich geglaubt, daß er wirklich telefoniert. Bitte lacht mich nicht aus, es kommt schon mal vor, daß sie wirklich telefonieren während einer Convention, und er war sooo überzeugend!
Was sonst noch? Ach ja, er wurde gefragt, ob er gerne als Gaststar in anderen Serien mitgespielt hat (siehe Rubrik 'Film und TV') und Robert meinte, daß es durchaus seine guten Seiten hat, aber auch manchmal schwierig ist, sich in eine Gruppe von Schauspielern zu integrieren, die seit langem zusammen spielt; und er hat ja diese Erfahrung in beiden Situationen gemacht. Man wollte wissen, was er sich am liebsten im Fernsehen anschaut, aber allem Anschein nach sieht er nur die Nachrichten und Sportsendungen...und ab und zu Zeichentrickfilme. Man fragte ihn auch, ob er seine Familie oft sieht, was er bejahte und erklärte, daß er und seine Geschwister sich oft im Haus seiner Mutter treffen. Es gab natürlich noch andere Fragen, ich kann mich allerdings nicht mehr so genau an alles erinnern und will Euch auch nicht mit Dingen nerven, zu denen er sich während diverser Coventions schon unzählige Male geäußert hat.
Ach ja, noch eins: Während der Konversation über Chakotay hat ihn jemand gefragt, ob er und Chakotay ähnliche oder gemeinsame Charaktereigenschaften hätten und Robert erklärte, daß ihm, im Gegensatz zu seinem tätowierten Alter Ego, doch schneller klar wird, wenn eine Frau sich nicht für ihn interessiert und er ihr sicher nicht 4 Jahre lang nachlaufen würde. Und dann kam natürlich die Frage - sicherlich von einem weiblichen Fan -, ob er mehr Erfolg bei den Frauen hätte als Chakotay. Diese Frage hatte auf jeden Fall Erfolg beim Publikum, das kann man sagen. Wirklich neugierig und indiskret, diese Fans, nicht wahr? Der Arme hat erst einmal nachgedacht, ein Glas Wasser getrunken, um Zeit zu gewinnen (lustig, wie durstig einem manche Fragen machen) und dann erklärt, daß er mehr Erfolg hat und wohl jeder Mann auf dieser Welt mehr Erfolg bei den Frauen hat als Chakotay. Na ja, übertreiben sollte er auch nicht; ein oder zwei Frauen hat der Tätowierte schon gehabt!
Was noch? Er hat den Galaxy Ball erwähnt, der im Oktober in Los Angeles stattfindet (siehe unsere Seiten 'Events' und 'News'). Findet Ihr meinen Bericht ein bißchen kurz? Nun, der Abend war es auch...sehr schön, sehr lustig und sehr unterhaltsam - er weiß wirklich, wie man die Leute in Stimmung bringt - aber ein bißchen kurz. Na gut, er mußte ja seinen Zug nach London nehmen (wir haben uns nicht getraut, ihm anzubieten, ihn dorthin zu fahren, leider, leider, das Leben besteht aus einer langen Reihe verpaßter Gelegenheiten...) Wie bitte? Die Biere? Ja...eigentlich..war der Zug schon ein sichereres Verkehrsmittel...und das gab uns die Gelegenheit, den Abend im Kreise anderer Fans zu beenden und über die zwei noch bevorstehenden Auftritte in der Page's Bar in London zu reden. Und dort sollte der Abend auch ganz und gar nicht traurig werden...und auch viel länger dauern und mindestens genau so heiß und herzlich werden!





Ein herzliches Dankeschön an Lucy und Tony für diese wundervollen Fotos!

Ich erinnere mich nicht mehr genau an den Anfang. Na ja, wir haben ein oder zwei Gläser getrunken, während wir auf IHN warteten. Auf jeden Fall sind wir zu spät angekommen, um noch Plätze an einem der Tische zu ergattern, aber unsere deutschen Freundinnen waren - wie es sich gehört - vor uns da, (pünktlich, diese Deutschen!) und wir konnten uns dann zu ihnen setzen. Die Athmosphäre war natürlich ganz anders als in Norwich... Page's ist DAS SciFi Cafe in London. Die Musik war nicht schlecht, aber ein bißchen zu LAUT! Außer während der Voyager-Episoden, die man uns während der Wartezeit auf großen Bildschirmen präsentierte: 'Unimatrix Zero' und 'Fury' - eine Geste, die um so mehr von uns geschätzt wurde, da wir diese Episoden hier in Europa so schnell nicht zu sehen bekommen.
Nun zu Robert. Gut, ich werde einfach alles
erzählen, wie es mir gerade einfällt. Ich fürchte, die Magie dieses Samstag abend in
London ist noch schwerer rüberzubringen als die des Abends in Norwich. Es war ein
fantastischer Abend, eine begeisterte und freudig erregte Menge; genauso wie es sein
sollte... und Robert, der in Norwich noch sehr ruhig und gewichtig wirkte, wurde in London
von der Stimmung des Publikums angesteckt und das Ergebnis sucht wirklich seinesgleichen.
Ich weiß wovon ich spreche, ich habe ein Video von seinem letzten Pages-Besuch gesehen,
und, glaubt mir, wir hatten das richtige Jahr ausgewählt! Einige der Fragen an ihn waren
auch schon in Norwich gestellt worden, deshalb werde ich sie hier nicht wiederholen.
Robert hat dann angefangen, von den Theaterstücken zu sprechen, die gerade in London
aufgeführt wurden (das Theater ist ja sein Ding), und daß viele davon wirklich
schrecklich schlecht seien (Tatsache ist, daß das West End während Roberts Aufenthalt in
England gerade keine Glanzleistung hervorbrachte), da aber die Engländer Kritik nicht
gerade lieben, wurde der Arme erst einmal ausgebuht. Natürlich aus Spaß, aber der Abend
begann schon vielversprechend.
Er hat uns dann einige Episoden über das Hotel, in dem er während seines London-Aufenthaltes wohnte, erzählt. Das Personal des Hotels wurde gerade einer Bewertung unterzogen und war daher besonders zuvorkommend. Imitation: "Haben Sie Ihre Mahlzeit beendet, Mr. Beltrumm? (Beltran ist etwas schwierig auszusprechen für einen Engländer) Hat es Ihnen geschmeckt? Haben Sie noch weitere Wünsche, Mr. Beltrumm?"
-Oh, nein danke, ich habe gerade erst mit dem Salat angefangen und...nein, ich bin noch nicht fertig, bitte rühren Sie meinen Teller nicht an..., nein... ist ja GUT! Ich werde nur gutes über sie sagen!"
Als ihn jemand fragte, ob er den Dome (Tony Blairs Millennium-Projekt) besichtigt habe, antwortete er mit nein, er würde selten Touristenattraktionen besichtigen, und obwohl er Paris gerne mag und oft seine Ferien dort verbringt, ist er noch nie auf den Eiffelturm gestiegen.
Und dann hat er auch wieder Bob Picardo (den Holo-Doc) immitiert ich weiß, ich habe schon davon gesprochen, aber ich kann einfach nicht genug davon bekommen. Wir kamen in Norwich in diesen Genuß, und auch in London, soviel wir nur wollten! Und da ich gerade dabei bin, wir wurden ebenfalls mir einer Imitation von Kate Mulgrew (Janeway) beglückt, wie sie die totale Krise bei den Dreharbeiten bekommt, wenn Robert zum fünfzehnten Mal am Tag seinen Text vergessen hat (ihr Blick verfinstert sich, ihr Gesicht schwillt an, wird ganz rot, der Schaum tropft ihr von den Lippen, ihr Atem wird ungleichmäßig, ihre Schläfenvenen fangen an zu pochen, ihr ganzer Körper fängt an zu vibrieren, Achtung, gleich hebt sie ab...) (übrigens sind Robert und Kate sehr gute Freunde und lieben es, sich immer gegenseitig zu imitieren).
Wenn wir schon dabei sind von Texten, Dialogen usw. zu sprechen, man hat ihn gefragt, wie er seine Texte lernt, und hier ist nun die Beltranische Technik: Er lies seinen Text einmal bevor er zum Set kommt. Wenn er dann an der Reihe ist, hat er seinen Text ganz in der Nähe außerhalb des Blickwinkels der Kamera. Sobald der Regisseur den Befehl zu drehen gibt(Kamera ab!), spuckt Robert den ersten Teil des Satzes aus, hört dann plötzlich auf und beschwert sich darüber, daß ihm einer ins Bild gelaufen ist (aus!). So hat er Gelegenheit, sich seinen Text schnell noch einmal anzusehen (stellt Euch seine vor Panik geweiteten Augen vor, wie sie in Windeseile rauf und runter über die Seite fliegen). Kamera ab! Dieses Mal kommen etwa 3/4 des Textes ohne Schwierigkeiten, dann wird Robert sehr nachdenklich und hält inne. So geht das nicht. Chakotay würde niemals so etwas sagen. Er verlangt, daß man den Drehbuchautor anruft und ihn bittet, den Text zu ändern. Alle beugen sich über den Text. Aber nein, er ist doch in Ordnung so, wir werden den Autor doch nicht für nichts und wiedernichts stören... (Ihr habt es erraten: Robert liest sich während dieser ganzen Diskussionen noch einmal schnell seinen Text durch). Also gut, er läßt sich überzeugen, er ist bereit, wann denn endlich wird die Szene gedreht? Er wartet jetzt auf die anderen... ah,ah. (Nicht vergessen: Diese ganze Show war nur zu unserer Unterhaltung gemünzt, also bitte nicht so erst nehmen.)
Jemand, der allem Anschein nach nicht wußte, daß Paul Bartel kürzlich verstorben ist, fragte Robert, ob er gerne wieder einen Film mit diesem Regisseur drehen würde (siehe 'Eating Raoul'). Robert meinte, daß er ja Paul Bartel sehr gerne mag, aber es unter diesen Umständen nicht so eilig hätte, ihn wiederzusehen.
Eine Zuschauerin die gehört hatte,
daß Robert eine gute Singstimme haben soll, bat ihn, uns etwas vorzusingen. Falls Ihr
jemals zu einer Convention mit Robert Beltran geht, müßt Ihr ihn unbedingt bitten, zu
singen. Nicht nur, weil ihm das schrecklich unangenehm ist, sondern weil seine
Anstrengungen, es zu umgehen, unbezahlbar sind. Und da er zu jeder nur erdenklichen
Konversation bereit ist, um das Thema zu wechseln, ist dies der Moment, von dem jeder
träumt, um ihm eine indiskrete Frage unterzuschieben, falls man Lust dazu hat. Leider hat
dieses Mal niemand die Gelegenheit genutzt. Er hat uns dann erzählt, wie er und seine
Brüder als Kinder immer die Beatles nachahmten, Die Frau, die ihn gebeten hatte, zu
singen, hatte von seinen musikalischen Vorträgen bei einem St. Patricks-Diner gehört,
das Kate Mulgrew, die irischer Abstammung ist, gab. Daraufhin erzählte er uns von dem
irischen Bataillon, das auf Seiten der Amerikaner gegen die Mexikaner gekämpft hat, dann
aber die Seiten wechselte (bei den Mexikanern war das Essen besser) und kaum daß die Iren
für die Mexikaner kämpfen, diese den Krieg verloren. Über diese Geschichte gibt es ein
Lied, und Robert hatte es bei Kates Diner zum besten gegeben (leider nicht für uns).
Aber weder seine Kindheitserinnerungen noch Kate Mulgrews Ahnentafel halfen ihm: Alle wollten ihn noch immer singen hören, worauf er uns trotzig erklärte, daß es sehr schwierig sei, einfach so drauflos zu singen, ohne musikalische Begleitung usw. usw.... ein kapitaler Fehler, da nun das Publikum beschloß, ihm zu beweisen, wie einfach man ohne Begleitung singen kann, und der ganze Saal, 150 Stimmen (natürlich jede einzelne begleitet von den anderen 149) spontan ein bekanntes Lied anstimmten "oh, how d you dooo what you do to me ?"" usw. Der Arme wußte gar nicht mehr, wie ihm geschah und suchte schnell Zuflucht bei seinem Wasserglas, um sich zu stärken. Gut, wir hatten ihn in die Enge getrieben, und als sich der Lärm etwas gelegt hatte, hat er uns eine Strophe eines Liedes gesungen, und falls es Euch interessiert, er hat wirklich eine gute Stimme, und ich hätte ihm gerne einen Fußtritt an eine bestimmte Stelle verpaßt, als er mit dem Vorwand, sich nicht mehr an den Text zu erinnern, gleich wieder aufhörte. Ermutigt durch den Applaus, bat er uns dann, ihm Liedertitel zu nennen, und wir kamen dann in den Genuß einer etwas karikaturistischen Version des Beatles-Songs 'YesterdaaAAaaAAaY'.
Etwas später meinte ein Zuschauer, daß Chakotay doch einen sehr sanften Charakter hätte, und fragte Robert, ob das auch auf ihn zuträfe. Da Robert die Frage nur schwer verstand, ließ er dem Mann das Mikro zukommen, damit er sie wiederholen konnte, und als das Mikro nicht schnell genug zu ihm zurückkam, meinte Robert: "ob ich ein sanfter Mensch bin? Mmmmm... KRIEG ICH JETZT DAS VERD***** MIKRO ENDLICH WIEDER?!" und dann hat er schnell das Thema gewechselt und uns mehr von Chakotay erzählt.
Als man ihn frage, ob er vorhabe, sich eines Tages aus der Schauspielerei zurückzuziehen, verneinte er dies; er hoffe, auf der Theaterbühne zu sterben (natürlich gab er uns auch gleich eine Demonstration davon, schniiief!)
Er wurde auch gefragt, ob es ihn stört, wenn er auf der Straße erkannt wird. Er verneinte, es störe ihn nicht wirklich, außer wenn die Leute ihn - was selten geschieht - zu sehr nerven und sich an ihn klammern. Da er seine Ärmel nicht hochgestreift hat, konnten wir uns leider nicht vergewissern, ob die besagte Dame wirklich die Spuren ihrer Fingernägel auf seiem Unterarm hinterlassen hat, aber wir glauben ihm natürlich, daß es so ist...
Als man ihn fragte, was er für Pläne für die Zeit nach Voyager hat, erzählte er, daß er eine Iszenierung von 'Othello' plant, möglicherweise im gleichen Theater wie seine Hamlet-Inszenierung; und ich glaube, er hat auch von Filmprojekten gesprochen, leider kann ich mich aber nicht mehr genau erinnern.
Ah, beinahe hätte ich den Geburtstag
vergessen
einer der Page's Leute kam zu ihm auf die Estrade, während Robert redete,
und fing an, Kerzen auf einem Schokoladenkuchen anzuzünden, der auf dem Tisch stand
(ich hatte ihn überhaupt nicht wahrgenommen, unglaublich aber war, normalerweise
übersehe ich Schokoladenkuchen nicht). Der 'Barmann' erklärte uns, daß eine Dame aus
dem Publikum Geburtstag hat und bat Robert, ihr 'Happy Birthday' zu singen, was er auch im
Stil von 'yesterdaaAAaaaAy' tat. Ich weiß nicht, wer in die Sache eingeweiht war, aber
die junge Frau fiel aus allen Wolken, und nachdem sie sich von ihrer Überraschung erholt
hatte, zeigte sich, wie sehr sie ihr Geburtstagsgeschenk (Robert) mochte, das ihr Ehemann
ihr geschenkt hatte. Sie kam zu ihm auf die Estrade, küßte ihn ab, hängte sich an
seinen Hals und ließ ihn einfach nicht mehr los. Ihr Geburtstagsgeschenk legte den Arm um
sie und unterhielt sich nett mit ihr, fragte sie ein wenig aus, bemerkte, daß sie und ihr
Mann (der ihr ja Robert zum Geburtstag geschenkt hatte) eine offene Ehe führen müßten,
versuchte den (italienischen) Namen der Lady - der auf Zzzzi endete - auszusprechen, hielt
uns einen Vortrag über die Aussprache der latainischen Rrrs, beglückwünschte sie zu
ihren englischen Ehenamen (Clarke mit e) und improvisierte immer so weiter,
bis endlich die Trennung vollzogen wurde, ob mit oder ohne Narkose weiß ich nicht mehr.
Seine Abstammung er sagte uns, daß er mexikanischer Abstammung ist, also teilweise indianisch, teilweise europäisch, und daß es nicht so wichtig und sehr schwierig sei, als Mexikaner mit der bewegten Vergangenheit dieses Volkes Ahnenforschung zu betreiben. Da mehrere englische Fans erklärten, ihren Stammbaum (mindestens) bis zu Adam zurückverfolgen zu können, imitierte er uns perfekt den englischen Snob, der sich mit seinem Adel brüstet.
Es gab sicher noch eine ganze Menge anderer Fragen, leider erinnere ich mich aber nicht mehr an alles... Auf jeden Fall war die Stimmung fantastisch; mit den Trekkies erlebt man ja auch nie Enttäuschungen. Ich denke mal, daß Robert auch einen tollen Abend gehabt hat, was man ja auch an der Länge seiner Antworten sehen konnte... für jemanden, der schon mehrmals beteuert hat, daß er lange Monologe nicht mag (außer im Theater) und der eigentlich als ein bißchen zurückhaltend beschrieben wird, war es schon verwunderlich, daß er keine Angst hatte, uns diese ausführlichen lustigen Sachen zu erzählen, wozu ihn das Publikum allerdings auch ermutigte.
Der Abend wurde dann mit der Autogrammstunde
beendet, die natürlich länger als eine Stunde dauerte, da dies der bevorzugte Teil des
Abends für den Ehrengast war, der sich gerne die Zeit nimmt, mit jedem und jeder der
Kandidat(inn)en zum plaudern, sie mit Küßchen zu begrüßen und zu verabschieden, und
das alles zum Leidwesen der Organisatoren, die total verzweifelt auf ihre Uhren und die
nicht endenwollende Schlange von Leuten schauten. Hier noch eine Anekdote: eine junge Frau
hat ihn gebeten, ihr ein Autogramm auf ihre (fast) nackte Brust zu geben (wollt Ihr
Einzelheiten? Ich glaube, es war ihre linke Brust...), was das Publikum besonders
erheiterte. Ich weiß, daß wirkt alles etwas seltsam, aber wir waren ja in London,
vergeßt das nicht, wo man sich über so etwas nicht aufregt. Robert hat sich
dieserAufgabe mit viel Würde entledigt, ich muß aber zugeben, daß ich für einen Moment
einen ganz schönen Schreck bekommen habe, als ich einen Mann sah, der sich Robert
näherte, und ich mich fragte, wohin der sich wohl sein Autogramm geben lassen würde...
Nach der Autogrammstunde hat er sich unter die noch anwesenden Fans gemischt. Er hat sich sogar zu uns an den Tisch gesetzt, um uns kennenzulernen und um uns zu fragen, ob uns der Abend gefallen hat und woher wir kommen. Woraufhin ich ihn gefragt habe, ob er eine schöne Zeit in Paris hatte usw... und so haben wir einige Minuten geplaudert, bevor er uns dann verließ, um an der Bar ein Glas zu trinken. Ein sehr natürlicher und sehr netter Mensch. Dann sind wir auch aufgebrochen, nicht die allerletzten aber beinahe... und er ist einfach zu uns an die Tür gekommen, um sich von uns zu verabschieden (mit Küßchen natürlich!) und hat uns auch noch gefragt, warum wir so müde aussehen. Wenn ich daran denke, daß er mehrere Stunden auf der Bühne verbracht hatte, frage ich mich wirklich, welches Wundermittel ihm hilft, am Ende des Abends noch immer so frisch auszusehen, während uns vor Müdigkeit bald die Augen zufielen!