
| LATINO (1985)Ein Film von Haskell Wexler
Mit: Robert Beltran Annette Cardona Tony Plana Luiz Torrentes |
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Latino ist zweifellos einer der, wenn nicht der interessanteste Film, in dem Robert Beltran die Hauptrolle spielt. 1985 während der Unruhen in Zentralamerika gedreht, ist dies die Geschichte von Eddie Guerrero (Robert Beltran), einem Vietnamveteranen mexikanischer Herkunft und Ausbilder beim US-amerikanischen Militär. Er wird mit anderen 'Latinos' (wie man die US-Amerikaner latainamerikanischer Herkunft nennt) ausgewählt, um auf einer Militärbasis an der nicaraguanischen Grenze in Honduras nicaraguanische Contra-Rebellen auszubilden, die insgeheim von der CIA dafür bezahlt werden, die kommunistische sandinistische legitime Regierung Niaraguas zu bekämpfen.
Eddie ist zu Beginn des Films ein 'Green Beret' der seinen festen Glauben in die amerikanische Army und das was sie tut hat und sich nicht viele Fragen stellt. Es wird aber auch klar, daß die schlechte Behandlung der Gefangenen ihn stört und es ihm bald immer schwerer fällt, die Übergriffe auf die Zivilbevölkerung zu dulden, die - er ist sich dessen bewußt - 'Latinos' sind, wie er selbst, und ihn an seine eigene Familie erinnern, seine Mutter und seine Geschwister, die in Los Angeles auf seine Rückkehr warten. Seine Sicht der Dinge verändet sich noch viel radikaler, nachdem er eine junge Frau, Marlena (Annette Cardona), und ihren Sohn, Juan Carlos, kennenlernt, die in Honduras leben, deren Familie sich aber im Herzen der Unruhen, in Nicaragua befindet. Außerdem fühlt Eddie sich freundschaftlich zu einem jungen sandinistischen Gefangenen hingezogen, der gewaltsam für die Sache der Contras 'bekehrt' wurde. Eddie beschließt, die Armee zu verlassen, wird aber während einer Sabotageaktion auf der anderen Seite der Grenze, zu der man ihn in Contra-Uniform und ohne jede Möglichkeit, sich als amerikanischer Militärangehöriger auszuweisen, geschickt hat, von den Ereignissen überrollt.
Es gäbe wirklich viel zu sagen zu diesem Independant-Film mit kleinem Budget. Kurz und gut handelt es sich vor allem um ein Mittel, die Botschaft Haskell Wexlers rüberzubringen, die die mehr oder weniger geheime Präsenz der CIA und ihrer Aktionen in den instablien zentralamerikanischen Staaten ans Tageslicht zerrt. Diese Botschaft ist schlicht, sicherlich, und bringt die Guten und die Bösen auf den Plan; aber sie ist auch mutig. Es handelt sich hier um einen darstellerisch sehr guten Film, der unter sehr schwierigen, wenn nicht gefährlichen Umständen gedreht wurde (siehe auch Robert Beltrans eigene Beschreibung in der Rubrik Selbstportaits). Die Statisten der Contra- und der Sandinisten-Armeen wurden von wirklichen sandinistischen Soldaten gespielt, und die professionellen Schauspieler gaben ihr Bestes. Das langsame Erwachen von Eddies Gewissen, ausgelöst durch seine Liebe zu einer Frau und deren Kind, bleibt für mich der beste humane Aspekt dieses Films und gibt Robert Beltran die Gelegenheit, einen Charakter zu spielen, der im Laufe des Geschehens an Komplexität zunimmt. Der Soldat mit ruhigem Gewissen, der Geliebte, dessen Verhältnis mit Marlena sich in tiefe Zuneigung für sie und ihren kleinen Sohn entwickelt, der Soldat, der die Sünde begeht nachzudenken und sich gegen die Autorität aufzulehnen, eine Autorität, der er immer ohne zu zögern gehorcht hat - diese ausdrucksstarke Interpretation unterstreicht die Veränderungen im Wesen Eddies, was einem den Ausgang des Films - wenn man überhaupt von einem eigentlichen Ende sprechen kann - umso schwerer akzeptieren läßt.