HAMLET
EINIGE WORTE
VON ROBERT BELTRAN ZUM STÜCK (gefolgt vom Review der L.A. Times) :
"Seit fast einem Jahr dachte ich an eine erneute Hamlet-Inszenierung, aber das
Projekt nahm erst zu dem Zeitpunkt in meinem Kopf Gestalt an, als die mir nahestehenden
Menschen anfingen, mich zu drängen, zu ermutigen, ja mich zu quälen, bis ich mich
letztendlich an die Arbeit machte. Das Classical Theater Lab bot seine Beteiligung an der
Inszenierung an, von mir bewunderte und respektierte Schauspieler konnten sich für das
Stück freimachen, eine Gruppe von Regisseuren fand sich zusammen, wir fanden den
geeigneten Ort für die Aufführung, und als alle Vorbereitungen getroffen waren, fingen
wir mit den Proben an. Ich war wie verzaubert. Wie immer, im Laufe der Proben, entwickelt
sich das Stück weiter, das Konzept verändert sich, Schwierigkeiten tauchen auf, es gibt
Höhen und Tiefen, denen man sich stellen muß, aber man verliert das hohe Ziel niemals
aus den Augen; es ist da, um uns zu erleuchten und zu führen wie ein Licht im Dunkeln.
Dieses Stück hat uns alle etwas über uns selbst gelehrt - und wenn wir unsere Arbeit gut
gemacht haben, hat es vielleicht auch Euch geholfen, etwas über Euch selbst zu erfahren.
Dies ist der Grund dafür, daß es im Laufe der Jahrhunderte die Menschen immer wieder
nuegierig macht und daß es Schauspieler sowie Publikum anzieht; ein Publikum, das Wert
darauf legt, es sich mindestens einmal oder auch mehrmals anzusehen, denn bei jeder neuen
Inszenierung gibt es etwas anderes zu entdecken, etwas unerwartetes, etwas fesselndes. Ich
weiß nicht, wie ich allen Menschen und Organisationen je danken kann, die direkt oder
indirekt an der Verwirklichung dieser Inszenierung teilgenommen haben:" (es folgt
eine laaange Liste mit Namen)
REVIEW DER L.A. TIMES
Beltran, ein Hamlet der überzeugt
Die Hamlet-Inszenierung des Classical Theater Lab im Actors Gang Theater trotzt allen Voraussagen. Robert Beltran, besser bekannt in seiner Rolle als Commander Chakotay in ST Voyager, spielt die Titelrolle und ist gleichzeitig Intendant. Wenn man von Patrick Stewart [Picard in ST TNG] einmal absieht, erwartet man eigentlich bei Star Trek keine, im klassischen Styl ausgebildeten Schauspieler vorzufinden.
Dennoch meistert Beltran seine Aufgabe als Schauspieler und Regisseur mit Excellence, indem er uns einen ebenso geistvollen wie gequälten Hamlet im Rahmen einer solide gezimmerten Inszenierung vorführt. Sucht erst gar nicht nach Anzeichen von Freudschen Anspielungen. Beltran hat das gute Geschick, sich mit fähigen Schauspielern zu umgeben, dem Text zu vertrauen, und die Tragödie Shakespeares voranzutreiben, ohne daß sich ein - in zeitgenössischen Produktionen nur allzugerne praktizierter - Revisionismus dem entgegenstellt.
Die Beleuchtung durch Frank McKown ist von einer immens großen Wichtigkeit für die Handlung. Der Dekor von Susan Gratch, bestehend aus silbernen Gerüsten vor schwarzem Hintergrund, ist so geschickt gewählt, daß er nicht von der Handlung ablenkt. Die modernen Kostüme von Lena Kuppen, an denen das Auge gelegentlich hängenbleibt, sind im Ganzen eigentlich diskret, und die Toneffekte von John Kito unterstreichen subtil das Fortschreiten der Handlung; das gleiche gilt auch für die Musik von Jonathan Sacks. Inmitten der reifen und von Anfang bis zu Ende gut durchdachten Leistung der Mitwirkenden, fällt die von Eva Loseth und John Berczeller ins Auge, die ihr Metier für ihr Alter erstaunlich gut beherrschen und in den Rollen der Ophelia und des Laertes glänzen.
Obwohl die Massenszenen in ihrer Zusammensetzung ein wenig an Fluidität vermissen lassen, bietet uns Beltran eine klare offene Interpretation des Stückes, die das Meisterwerk Shakespeares entstaubt, ohne an seiner Integrität zu rühren.
Übersetzt aus der L.A. Time,s Home Edition, April 25, 1997.
Englischer Originalartikel von F. Kathleen Foley.