Constellation 2 in Paris

Robert Beltran in Paris?!? Bei der 2. Star Trek Convention in Frankreich überhaupt? Ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Schon gar nicht, wenn man wie ich dieses Land schon seit ca. 15 Jahren seine Heimat nennt. Und so machten wir, meine Tochter Julie und ich, uns aus unseren südlichen Gefilden auf den Weg nach Paris, zu unserer dritten Convention nach Pasadena und Bonn in diesem Jahr.
Einige entschlossene und mutige, obwohl der französischen Sprache nicht ganz so mächtige Mitglieder unserer Gruppe schlossen sich uns an und so trafen wir uns alle am Freitag Abend im Hotel de Reuilly nur einige Gehminuten vom Espace de Reuilly, wo die Con abgehalten wurde, entfernt.
Samstags beim Frühstück kamen wir aus dem Reden und Schwärmen über Robert Beltran nicht mehr heraus, so dass es 10 Uhr wurde, bis wir endlich am Schauplatz des Geschehens eintrafen, fest davon überzeugt (ich vielleicht nicht ganz so fest *g*), die für 9.30 Uhr vorgesehene Eröffnungszeremonie verpasst zu haben. Da aber in Frankreich alles etwas langsamer und lockerer zugeht, verging noch mal eine halbe Stunde, bis die Con offiziell anfing und Alexis Mullhoff die Fans erst in Französisch und dann in Englisch begrüßte.
Zuallererst entschuldigte er sich dafür, dass einige der Star leider nicht hatten kommen können. (Oh je, doch nicht Robert?!? Aber nein. Annie aus Rom, die wir gleich am Eingang trafen, hatte uns ja schon erzählt, dass ihre zur Staff gehörenden Freunde Robert am Freitag getroffen hatten.) Aber reden wir mal lieber nicht über die, die nicht kamen, sondern über die, die da waren:
Celeste Yarnall, eine immer noch schöne Blondine, die einst bei der TOS Gueststar und Freundin von William Shatner war, und amüsante Episoden über die Darsteller von Kirk, Spock, Scotty usw. erzählen konnte. Da ihr Grossvater Franzose war, war ihr die Sprache des Gastlandes nicht so fremd, was ihren Charme noch unterstrich.
Robert OReilly und JG Hertzler, die beiden Klingonen Gowron und Martok aus Deep Space Nine, die mit ihrer Comedyshow und ihren Anekdoten vom Set den ganzen Saal zum Johlen brachten.
Julie Caitlin Brown aus Babylon 5, die eine phantastische Stimme hat und auch schon eine CD aufgenommen hat. Auch sie spricht übrigens für eine Amerikanerin erstaunlich gut Französisch.
Und natürlich Robert Beltran, dem französischen Publikum als Robeeer Beltrã vorgestellt; dieser Name ist ja sooo französisch und in meiner Nachbarschaft gibt es auch einen. *g*
Ich will hier auf die anderen Stars nicht näher eingehen, waren wir ja eigentlich wegen Robert nach Paris gekommen, was uns allerdings nicht daran hinderte, uns auch bei den vorhergehenden Auftritten köstlich zu amüsieren.
Um 16 Uhr, und gar nicht mal mit Verzögerung, trotz des verspäteten Beginns am Morgen, war es dann so weit und Robert betrat die Bühne in einer schwarzen Hose, dunkelblauem Sweatshirt und schwarzer Lederjacke. Mit einem etwas schüchternen Bonjour sondierte er vorsichtig das Publikum, war er doch wenn auch nicht zum ersten Mal in Frankreich oder in Paris, so doch zum ersten Mal mit französischen Star Trek Fans konfrontiert. *Ob die wohl beißen? * LOL
Man hatte ihm wohl auch mitgeteilt, dass im
französischen Fernsehen bisher nur die ersten beiden Staffeln von Voyager ausgestrahlt
wurden, so dass er, auch wenn er es sich nichts anmerken ließ, sicherlich überrascht war
über die Fragen der Fans, die sich oft auf das Ende von Voyager oder auf seine Kritik an
der Serie bezogen.
Seine Antworten waren offen, ehrlich, ernst - zu ernst fast, nach dieser Show der Klingonen zuvor, und die Stimmung wechselte deutlich im Saal, was aber nicht etwa negativ wirkte. Inhaltsmäßig sagte er nichts anderes, als das, was er auch schon in den letzten Interviews gesagt hatte. Dass er es schade findet, dass aus Voyager nicht mehr gemacht wurde; es zu viele vertane Chancen gab. Dass es Zeit war, nach 7 Jahren diese Serie zu beenden, und er sich auf eine neue Aufgabe freut. Er ist dabei, ein Stück über Napoleon auf Sankt Helena zu schreiben und wird es wohl irgendwann in Los Angeles aufführen. Auf die Bemerkung eines Franzosen hin, er sei doch viel größer als Napoleon, meinte er nur, es sei nicht schwer noch größere Schauspieler zu finden, die ihn dann kleiner erscheinen ließen.
Er wurde nach den letzten Episoden von Voyager gefragt, über die er ja nichts erzählen darf. Aber er verplapperte sich ob absichtlich oder unabsichtlich sei dahingestellt und wir wissen jetzt, dass Chakotay und Seven ein Paar werden und die Voyager nach Hause kommt. Über diese Beziehung zwischen Seven und Chakotay ist er nicht gerade glücklich. Allerdings nur, weil sie so künstlich in diese letzten Folgen integriert wurde, nicht weil er sich eine sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen dem Commander und der Ex-Borgdrohne nicht hätte vorstellen können.
Zwischendurch macht er immer wieder seine
Späßchen mit dem Publikum: Na ihr werdet schon sehen, wenn die Folge in 5 Jahren
bei euch läuft. Da bleibt euch noch viel Zeit."
Auf die Frage nach den anderen Star Trek Serien antwortete er ganz ehrlich, dass er nicht viel davon gesehen und sich mit der Serie auch erst richtig vertraut gemacht hat, als er für die Chakotay Rolle gecastet wurde. Einige der Star Trek Filme gefallen ihm recht gut. Er ist kein Feind von Science Fiction, mag Klassiker wie Der Tag an dem die Erde stillstand. Sein Problem sind schlechte Drehbücher, in welchem Bereich auch immer, und das Fernsehen ist ihm einfach zu kommerziell. Da bleibt die Qualität auf der Strecke.
Trotzdem hat er keine allzu schlechten Erinnerungen an die letzten 7 Jahre und bereut es nicht, in Voyager mitgespielt zu haben. Er meinte, die guten Dinge würden auf jeden Fall überwiegen, wie zum Beispiel das tolle Verhältnis mit seinen Kollegen am Set. Viele Folgen haben ihm auch Spaß gemacht, und auf die Frage nach seiner Lieblingsfolge, kam wieder als Antwort Unforgettable, in der es kaum Technobabble und etwas tiefgründigere Szenen gab.
Als er am Sonntag zum zweiten Mal die Bühne des Espace Reuilly betrat diesmal nur in Sweatshirt und Jeans -, war er entschieden lockerer und man merkte, dass er sich vor dem französischen Publikum schon recht zu Hause fühlt. Auch wenn er sich entschuldigte, sein Französisch erlaube ihm nicht, mehr als ein schlichtes Bonjour zu sagen, verriet er sich doch, als er die in Französisch gestellte Frage eines Fans verstand, bevor Alexis sie ihm übersetzen konnte. Die Sprache ist ihm wohl doch vertrauter als er zugeben will. Wie war das noch mit der Freundin in Nizza? *g*
Na gut, diese Geschichte will ich Euch nicht
vorenthalten: Ein Pärchen, das sich davonschleichen wollte, wurde von ihm zur Rede
gestellt und entschuldigte sich damit, dass sie nach Nizza zurück müssen. Nizza, da kam
ihm die Erinnerung an Dominique, die sie von ihm grüßen könnten. Ein Fan wollte wissen,
ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, da Dominique im Französischen ja
gleichzeitig Jungen- und Mädchenname ist. Robert stellte sich daraufhin wie ein ertappter
Schuljunge vors Mikro, schlug die Augen nieder und hauchte: a girl". Dann
meinte er aber: Ach, das ist schon sooo lange her... wie die wohl heute aussieht...
lassen wir das lieber". *g*
Auf die Frage eines weiblichen Fans, ob er gerne wie einst Chakotay mit Janeway, eine Weile mit Kate Mulgrew auf einem einsamen Planeten verbringen wolle, reagierte er mit gespieltem Entsetzen. Um Gottes Willen, auf keinen Fall. Sie würde ihn nur rumkommandieren: Robert, hol mir dies, mach mir das"; das sei wirklich nicht sein Ding.
Und auch Chakotay hätte er nicht gerne mit Janeway vereint gesehen, sondern lieber mit BElanna oder - warum nicht? - auch Seven, wenn sich die Beziehung hätte entwickeln können. Und nach Kes gefragt, antwortete er, sie sei ja erst 3 Jahre alt uns somit zu jung für Chakotay. Aber auch Jennifer Lien findet er zu jung für sich selbst. *g*
Alexis, der sich sehr für Robert als
Shakespeare-Darsteller interessiert und dies auch immer wieder betonte, befragte ihn
danach, welches Shakespeare Stück er am liebsten gespielt hätte. Robert zählt einige
auf, wie Julius Cäsar, Macbeth usw. Sein Lieblingsstück ist allerdings eindeutig Hamlet,
das er ja vor ein paar Jahren in L.A. inszeniert hat. Auch Molière oder Goethe würde er
gerne einmal spielen. Überhaupt hätten die Europäer viel mehr Kultur und zur
amerikanischen sagte er nur: Its a shame". Auch sieht er, soweit das
amerikanische Fernsehen es ihm erlaubt, europäische Filme und, danach befragt, ob er
gerne in einem französischen Film mitspielen würde, bejahte er und zählte verschiedene
Filme auf, die ihn beeindruckt haben, auch wenn er sich an die Namen der Regisseure nicht
genau erinnern konnte.
Zur Frage eines Fans, welches seine schwierige und seine am einfachsten zu spielende Rolle wäre, erklärte er, dass die Fans sicher überrascht wären über seine Antwort, aber Chakotay wäre eindeutig die schwierigste für ihn gewesen, da dieser Charakter nicht wirklich einen Hintergrund, ein Profil hat, und man Szenen, in denen er auf der Brücke neben Janeway sitzt, und nur Zahlen eintippen muss, einfach nicht ausdrucksstark spielen kann, wenn man sich auch noch so anstrengt. Bei Shakespeare ist das anders, da die darzustellende Person Charaktereigenschaften und eine Vorgeschichte hat, die man im Spiel voll ausleben kann.
Fragen gab es sicher noch mehr... Antworten auch, weitere lustige Episoden. Da ich mir allerdings keine Notizen gemacht habe, ist nur einiges hängengeblieben. Aber Ihr könnt ja zur Vervollständigung den Bericht eines anderen Mitgliedes unserer Mail-Gruppe lesen, der sicherlich noch andere Einzelheiten und Eindrücke schildert: Ulis Bericht
Eines muss ich aber noch zur Organisation der Veranstaltung sagen. Dies war erst die 2.
Star Trek Convention in Frankreich überhaupt, aber sie hat mir wesentlich besser gefallen
als die Grand Slam in Pasadena oder die FedCon in Bonn. Natürlich ist die geringe Zahl
der Teilnehmer ein entscheidender Pluspunkt, ist das Ganze dadurch viel überschaubarer
und intimer. Aber mein großes Lob geht an die Veranstalter, den französischen Fanclub
Unification. Diesen Leute, die die Fans mit der gleichen Mischung aus Respekt und
Herzlichkeit behandeln wie die Stars, ist es gelungen eine Beziehung zwischen Fans und
Schauspielern herzustellen, die auf den großen Conventions, im Gegenteil, von den
Organisatoren oft unterbunden wird. Und nur dadurch war diese Atmosphäre möglich, in der
jeder sich respektiert, akzeptiert und als Teil des Ganzen fühlen konnte.
Ein herzliches
Dankeschön an den französischen Fanclub Unification,
der mir erlaubt hat, seine Fotos zu benutzen.
Ihr findet noch andere tolle Fotos von Robert im Fotoalbum auf der Seite von Constellation 2.